Wirklichen Schutz für Rad fahrende Kinder bieten aber nur ein sicheres Verkehrssystem und eine Strategie mit dem Ziel der konsequenten Unfallvermeidung, wie sie etwa vom „Forum Verkehrssicherheit Hamburg“ seit Jahren erfolgreich praktiziert wird.
Jedes im Straßenverkehr getötete Kind ist eines zu viel und bedeutet unendliches Leid. Gerade die schwächsten Verkehrsteilnehmer müssen besonders vor Gefahren und Unfällen geschützt werden. „Niemandem liegt die Sicherheit der Radfahrenden im Straßenverkehr mehr am Herzen als uns Radfahrenden selbst“, betont Dirk Lau vom ADFC-Landesvorstand.
„Eine Helmpflicht aber verhindert keinen einzigen Unfall“, stellt er fest. Wer danach ruft, wälzt einfach die Verantwortung für Unfälle auf die gefährdeten Radfahrer ab und lenkt von seiner eigenen politischen Verantwortung ab, für ein sicheres Verkehrssystem zu sorgen. „Statt nur punktuell und graduell einzelne Unfallfolgen zu mindern, muss es Ziel verantwortlicher Politik sein, für eine weitgehende und umfassende Unfallvermeidung zu sorgen“, fordert Lau. Dies würde nicht nur die Sicherheit im Straßenverkehr entscheidend verbessern, sondern auch die Aufenthalts- und Wohnqualität in den Städten.
Das Unfallrisiko für Radfahrende wird nicht durch eine Helmpflicht gesenkt, sondern durch eine radfahrerfreundliche Verkehrsplanung, durch Tempo 30 als Regelgeschwindigkeit und Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung sowie durch den Bau von Radfahrstreifen statt Radwegen in Tempo-50-Straßen. Für die Sicherheit der Radfahrer ist es in erster Linie wichtig, dass sie im Sichtfeld der Autofahrer geführt, dass die Geschwindigkeiten der Kfz reduziert werden und dass es gerade in unfallträchtigen Kreuzungsbereichen gute Sichtbeziehungen gibt. „Leider scheitern sichere Radverkehrslösungen in Hamburg oft genug noch einfach daran, dass auf ein paar Kfz-Abstellplätze nicht verzichtet werden soll“, stellt Lau fest.
Bis heute gibt es zudem keine seriöse, statistisch valide Studie, die eine Schutzwirkung von Helmen im Alltag nachgewiesen hätte. Dagegen haben Untersuchungen sowie Erfahrungen aus anderen Ländern gezeigt, wie eine Helmpflicht dazu führt, dass weniger Menschen Rad fahren. Dies wiederum verringert die Sicherheit der Radfahrer, denn auch das ist erwiesen: Je mehr Radfahrer unterwegs sind, desto geringer ist das Risiko für den einzelnen Radfahrer, in einen Unfall verwickelt zu werden. Eine wie auch immer geartete Helmpflicht würde also das Unfallrisiko für Radfahrende eher noch erhöhen – und zwar generell und nicht nur für bestimmte Kopfteile.
Besonders mit Blick auf Kinder und Jugendliche gilt: Rad fahren soll Spaß machen. Mit einer Helmpflicht verbietet man das Radfahren ohne Helm, es wird zur Ordnungswidrigkeit – und sei es nur auf dem kurzen Weg zum Eisladen an der Ecke. Einer der großen Pluspunkte des Radfahrens ist aber seine Flexibilität. Bei einer Helmpflicht besteht die Gefahr, dass sich Kinder sich fremde oder alte Helme ausleihen. Wenn diese dann nicht richtig passen, bieten sie keinen Schutz, sondern können sogar erst andere ernsthafte Verletzungen hervorrufen.
Der ADFC empfiehlt daher, die Eltern individuell je nach Anlass und Entwicklungsstand des Kindes entscheiden zu lassen, ob es mit oder ohne Helm fährt. Auf verkehrspolitischer Ebene will der Radverkehrsclub die erfolgreiche Arbeit im und mit dem „Forum Verkehrssicherheit Hamburg“ ausbauen, dem neben der Verkehrswacht, der Polizei und dem TÜV auch Verbände angehören. 2010 registrierte das Forum bei Verkehrsunfällen mit Kindern in Hamburg den niedrigsten Stand seit 1970 (erste statistische Erhebung für Kinder). Bundesweit geht nicht nur die Zahl der getöteten Radfahrer kontinuierlich zurück, es verunglückten zudem auch weniger Kinder mit ihren Fahrrädern tödlich (– 17% gegenüber 2009).
Das Forum will daher auch zukünftig vor allem auf bauliche Maßnahmen, Unfallprävention und Aufklärung setzen, Bevölkerung und Öffentlichkeit für eine sichere und umweltbewusste Mobilität gewinnen, ein verantwortungs- und rücksichtsvolles volles Verhalten im Straßenverkehr erreichenund neue Wege für eine zielgruppenorientierte Präventionsarbeit finden. Eine wie auch immer geartetete Helmpflicht gehört nicht dazu.
Weitere Informationen zum Thema:
Stellungnahme des ADFC Hamburg – zum Antrag der CDU in der Bürgerschaft
»ADFC weist Forderungen nach Helmpflicht zurück« – Pressemitteilung des ADFC-Bundesverbands vom 19. Oktober 2011
»Helmpropagandisten« – vom bewusst falschen Umgang mit der Verletztenstatistik
Verkehrsunfälle – Ursachen, Verursacher, Konsequenzen für Hamburg
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Für Rückfragen:
Dirk Lau, Tel.: 0171/485 51 93
Mail: dirk.lau@hamburg.adfc.de
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Pressefoto:
Rad fahrende Kinder haben ein besonderes Recht darauf, im Straßenverkehr geschützt zu werden – mit oder ohne Helm. (Copyright: ADFC Hamburg). Die Nutzung des Fotos ist für journalistische Berichterstattung zum Thema Helmpflicht bei Nennung der Quelle kostenfrei; die Bilddateien dürfen zur optischen Anpassung bearbeitet werden, eine bildinhaltliche Bearbeitung (z. B. digitale Retusche von Personen und Gegenständen oder großflächiges Beschneiden des Motives) ist untersagt.


Sicherheitsgurte dienen der Sicherheit des einzelnen Verkehrsteilnehmers. Das ist unstrittig. Ob jemand einen Sicherheitsgurt anlegen muss oder nicht, verändert nicht seine Verkehrsmittelwahl. Helme können im Einzelfall auch von Vorteil sein. Aber eine Helmpflicht führt zu weniger Radverkehrsanteil, denn der Helm ist - anders als ein Sicherheitsgurt - mit ein paar Nachteilen verbunden (nicht immer verfügbar, passt nicht richtig, stört die Frisur, stört beim Einkaufen ...). Und diese indirekte Folge einer Helmpflicht - der Einfluss auf die Verkehrsmittelwahl, das Weniger an Radverkehr - führt zu einer sinkenden Verkehrssicherheit nach Einführung der Helmpflicht. Es ist daher auch nicht richtig, wenn Sie kommentieren, der ADFC sperre sich gegen den Fahrradhelm. Vielmehr ist richtig, dass wir die _Pflicht_ zum Tragen eines Fahrradhelms für schädlich halten. Das ist ein großer Unterschied!
Sie fragen, was Hamburg nun mit der Helmpflicht zu tun hätte: "Hamburg" ist in Sachen Helmpflicht gerade Thema, weil die hiesige CDU eine bundesweite Initiative nach einer Helmpflicht für Kinder bis 14 Jahren gestartet hat. Und "Hamburg" könnte viel mehr für die Radverkehrssicherheit tun als derzeit, indem es baulich und regelungstechnisch fahrradfreundlicher agiert.
Zur Frage einer Studie über die Schutzwirkung von Helmen: Nochmals: Es geht hier um die Wirkungen einer Helmpflicht und nicht um die Frage, ob ein Helm im Einzelfall einen höheren Schutz bieten kann.
Quellenangaben zu interessanten Helmuntersuchungen sind z. B.
- D. L. Robinson: "Head Injuries and Bycicle Helmet Laws", AGBU, University of New England (1996). (lässt sich ganz gut googlen ...)
- Ian Walker ("Drivers overtakting biciclysts"), beschäftigt sich mit der Frage, wie sich das Tragen eines Fahrradhelms auf das Überholverhalten von Autofahrern auswirkt. www.drianwalker.com/overtaking/
Wenn es keine seriöse Studie gibt, die die Schutzwirkung eines Helms nachweist, dann beantwortet dies doch schon von selbst die Frage nach einer Helmpflicht. Es ist Unsinn, pauschal alle Radfahrer zum Helmtragen zu verdonnern, ohne solide Nachweise, dass dies wirklich eine wirksame und weitgehend alternativlose Methode ist, die Schwere von Unfallfolgen zu mindern. Die Betonung liegt auf "alternativlos"!
Ebenso könnte man allen Autofahrern ebenfalls eine Helmpflicht auferlegen. Ich bin mir sicher, dass dadurch bei schweren Unfällen oder Massenkarambolagen manch ein Todesfall vermieden werden könnte. Man erkläre doch bitte den Unterschied zwischen einer Helmpflicht für Autofahrer und einer für Radfahrer. Fußgänger wären durch eine Helmpflicht auch wesentlich besser geschützt.
Eine entsprechende Studie hat derjenige in Auftrag zu geben, der die Helmpflicht wünscht, nicht der, der sie ablehnt! Tempo 30 in der gesamten Stadt wäre weitaus effizienter als eine Helmpflicht für Radfahrer! Davon will die CDU aber nichts wissen. Warum eigentlich nicht? Ich kenne keinen Grund, der dagegen spricht.
Eine Helmpflicht verhindert keinen einzigen Unfall. Das unterschreibe ich gerne. Für einen Sicherheitsgurt im Auto gilt das Gleiche – trotzdem benutzen wir ihn alle und er ist auch Pflicht. Wir wissen doch, dass damit das Verletzungsrisiko gemindert werden kann. Warum sperrt sich Ihre Organisation dann so gegen den Fahrradhelm?
Ihr Ziel den Radverkehr sicher zu machen ist sicher lobenswert – Sie werden aber zu keiner Zeit das Unfallrisiko auf Null bringen – es sei den sie stellen den gesamten Verkehr ein. Zudem benötigen Sie für Umsetzung Ihrer Ziele Zeit. In der Zeit würde mancher Radfahrer aber seinen Kopf durch einen Helm behalten.
Sie machen in Ihrem Beitrag Vorschläge was der ADFC sich gerne wünscht – verweisen dann aber auf Hamburg das da einiges nicht Möglich ist.
Was hat die Helmbenutzung nun mit Hamburg zu tun?
Nach Ihrer Aussage gibt es keine seriöse Studie die die Schutzwirkung nachweist. Was hindert Sie daran eine derartige Studie in Auftrag zu geben? Sie könnten sicher auf Unterstützung von Fahrradherstellern, Unfallversicherungen, Krankenkassen (AOK fördert Ihre Organisation ja schon) und vielleicht sogar Autohersteller, zurückgreifen. Dann würde endlich Klarheit bestehen. Ist das nicht in Ihrem Interesse?
Sie müssten dann auch nicht argumentieren, dass Erfahrungen aus anderen Ländern zeigen, dass es dazu führt, dass weniger mit dem Fahrrad fahren. So eine allgemeine Behauptung ist für mich als Leser nicht nachprüfbar. Hierzu bedarf es genauer Angaben von welchen Ländern Sie sprechen, wie war die Entwicklung des Radverkehrs und wann wurde die Analyse gemacht. Sofern diese Angaben nicht geliefert werden können sind derartige Aussagen m. E. unseriös. Das wirft ein zweifelhaftes Licht auf den ADFC.
Ich würde mich über eine sachlich richtige, seriöse Studie, unter Beteiligung des ADFC sehr freuen – egal mit welchem Ergebnis.