Das Fahrrad als Alltagsverkehrsmittel
Fernbedienung gegen Bettelampeln entwickelt

In Hamburg bremsen Bettelampeln tagtäglich Fußgänger und Radfahrer aus. Wer sich besonders umweltfreundlich fortbewegt, wird benachteiligt – so macht man klimaschädigende Verkehrspolitik.
Die Verantwortlichen in Hamburg waren und sind nicht bereit die Bettelampeln abzuschaffen. Deshalb suchte man beim ADFC nach einer Möglichkeit das Problem auf technische Weise zu lösen. Ziel war es, die berührungssensitiven Ampeltaster so zu manipulieren, dass sie immer eine Grünanforderung auslösen.
Fußgänger und Radfahrer würden dann bei jedem Ampelumlauf Grün erhalten – so wie man es als gleichberechtigter Verkehrsteilnehmer auch erwartet.
»Mit einfachen Mitteln ließen sich die Anforderungstaster nicht manipulieren«, sagt Karl Michelberg (Name geändert). Versuche gab es viele: Aufkleber, beheizte (!) Aufkleber, im Winde flatternde Fähnchen, die Versuchsweise zerstörungsfrei an den Tastern angebracht wurden: Das alles funktionierte nicht.
»Ich habe dann zufällig das Umprogrammieren einer Ampelkreuzung beobachtet. Da stand ein Ingenieur und griff drahtlos per Laptop in den Ampel-Steuerschrank ein«, erzählt Michelberg schmunzelnd. Ein unverfängliches Gespräch mit dem Wartungstechniker ergab, dass eine Bluetooth-Verbindung auf die Ampelsteuerung zugreift.
Der Ehrgeiz einiger ADFC-Tüftler war geweckt! »Es hat uns dann allerdings doch zahlreiche Nächte mehr als erwartet gekostet«, meint Michelberg, »denn die Verschlüsselung war nicht leicht zu knacken«.
Anfang April stellt der ADFC nun den Prototypen eines Senders vor, der viel Ähnlichkeit mit einer etwas altmodischen Fernbedienung hat. »O. k. das Ding gewinnt keinen Designpreis. Aber es erfüllt seinen Zweck. Es schickt einen Code an die Ampelsteuerungen, die diesen dann als Grünanforderung durch einen der Anforderungstaster interpretieren«. Wie beim traditionellen Tastendruck an der Ampel gibt es für Fußgänger und Radfahrer bei nächster Gelegenheit Grün.
Die Bettelampeln verlieren so ihren Schrecken.
Die Bauteile für den Sender gibt es in jedem Elektronikfachmarkt. So wird der verwendete Bluetooth-Sender mit einer Reichweite von ca. 100 Metern normalerweise in drahtlosen WLAN-Netzen bei größeren Betrieben eingesetzt – ein Standardbauteil also. Die ADFC-Bastler arbeiten nun noch an der Miniaturisierung des Senders und daran, dass er im Hamburger Alltagseinsatz natürlich absolut wasserdicht sein muss.
Ab Mitte April stellt der ADFC auf dieser Seite Schaltplan und Einkaufsliste der Bauteile zum Download zur Verfügung. Der reine Materialpreis für den Eigenbau liegt bei ca. 15,- EUR. »Für absolute Anfänger sicher nicht geeignet«, sagt Michelberg, »aber wer mit dem Lötkolben schon mal den einen oder anderen Draht verbunden hat, der kriegt das hier auch hin«.
Ohnehin geht es den ADFClern nicht darum, dass nun jeder Radfahrer ein eigentlich überflüssiges elektronisches Gerät mit sich führt. Er setzt noch immer auf die Einsicht der Behördenleitung: Bettelampeln sind abzuschaffen, Radfahrer und Fußgänger müssen immer zusammen mit dem Autoverkehr der selben Richtung automatisch Grün bekommen.
NACHTRAG
Es handelte sich bei dieser Meldung um einen Aprischerz, wenn auch mit ernstem Hintergrund ;-)

