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Verkehr

17.01.12

ADFC lehnt CDU-Forderung nach Helmpflicht für Minderjährige ab

Familie mit Fahrradhelmen. Der ADFC setzt sich dafür ein, dass dies auch zukünftig freiwillig passiert. (c) Jens Lehmkühler, ADFC

Hamburger CDU-Abgeordnete möchten, dass Hamburg sich im Bundesrat für eine Helmpflicht für Kinder einsetzt. Und die regierende SPD signalisiert Zustimmung. Lesen Sie hier, warum der ADFC gegen eine solche Pflicht ist.

Für viele Radfahrende gehört er automatisch dazu - der Helm. Die Einführung einer Pflicht - wie von Bundesverkehrsminister Ramsauer mehrmals gefordert - lehnt der ADFC jedoch entschieden ab:

„Radfahren ist sicher – egal ob mit oder ohne Helm", sagt Ulrich Syberg, ADFC-Bundesvorsitzender. Eine Helmpflicht wälze die Verantwortung für Unfälle auf die gefährdeten Radfahrer ab, statt die Ursachen zu bekämpfen. Tatsache ist, dass die meisten Unfälle zwischen Autofahrern und Radfahrern von Autofahrern verursacht werden. Der ADFC fordert daher flächendeckend Tempo 30 in Wohngebieten und sichere Radverkehrsführungen, um Zusammenstöße zu verhindern oder ihre Folgen zu vermindern.

Zweifellos kann ein Helm das Risiko von Kopfverletzungen verringern. Doch wo das freiwillige Tragen eines Helmes die Sicherheit erhöht, kann eine Helmpflicht das genaue Gegenteil bewirken. Das klingt paradox, ist aber durch Studien hinreichend belegt: So führte 1991 die Einführung der Helmpflicht in Australien zu einem dramatischen Rückgang des Radverkehrs bei gleichzeitigem Anstieg der Fahrradunfallquote. Denn: Je mehr Radfahrer unterwegs sind, desto sicherer ist es für Einzelne.

Auch der Deutsche Bundestag und das Bundesverkehrsministerium selbst haben die Forderung nach einer gesetzlichen Helmpflicht in der Vergangenheit mehrfach zurückgewiesen. In Hamburg besonders pikant: Das erfolgreiche StadtRAD könnte bei Einführung einer allgemeinen Helmpflicht gar nicht mehr genutzt werden. Und auch eine Helmpflicht für Jugendliche würde die spontane StadtRAD-Nutzung für Familien unmöglich machen.

 

Weitere Informationen zum Thema:
ADFC Position zu Helmen
Pressemitteilung des ADFC-Bundesverbands "ADFC weist Forderungen nach Helmpflicht zurück" vom 19. Oktober 2011
Artikel "Helmpropagandisten" in der RadCity


radequarad, 19.01.2012 21:06:
Bei Einführung einer Helmpflicht müssten diejenigen drunter leiden, die am wenigsten für die Unfälle können. Die schwächeren Verkehrsteilnehmer. Würde so mancher Autofahrer besser aufpassen und warnehmen, was vor und neben ihm die Strasse kreuzt, könnte so mancher Unfall vermieden werden. Danken kann dieser dann dem vorausschauenden Radfahrer, der sich absichert, bevor er die Strasse überquert oder an einer Auffahrt vorbeifährt. Ich muss dazu sagen, dass ich im Strassenverkehr freiwillig einen Helm trage, einfach weil ich mich sonst zu unsicher fühle. Es soll ausserdem ein Protest sein, der sagt, gemeinsam mit den Autofahrern ist es zu gefährlich. Würden die Innenstädte nicht so überladen sein mit Autos, wäre es weitaus angenehmer und gefahrloser für Fussgänger und Radfahrer. Dann bräuchte man auch keine Helme! Warum setzt man nicht bei der Ursache des Problems an? Die Hauptursache für eine Kopfverletzung ist nicht der fehlende Helm, sondern die fehlende Rücksichtnahme!
Eddy, 18.01.2012 16:28:
Etwas sehr weit hergeholt und überholt, Zitat “So führte 1991 die Einführung der Helmpflicht in Australien zu einem dramatischen Rückgang des Radverkehrs bei gleichzeitigem Anstieg der Fahrradunfallquote“ Zitat Ende. Erstens ist das mehr als 20 Jahre her und zweiten vom anderen Ende der Welt. Wie kann sich der ADFC auf so etwas berufen? Wenn das nicht 1A Meinungsmache ist, würde ich gerne mal an die Diskussionen von 1968 erinnern. Da ging es damals um die Gurtpflicht im Auto, die Argumentation gleicht der, die der ADFC heute zum Einsatz von Fahrradhelmen führt. Selbst bei der Helmpflicht für Motorradfahrer gab es diese Argumente. Ich hätte es begrüßt, wenn der ADFC eine Untersuchung nach nordeuropäischen Maßstäben und zu den heute bestehenden Möglichkeiten anstrebt – einschließlich der Betrachtung von Rädern die mit e-Motor betreiben werden. Danach kann man eine Argumentation aufbauen. Wer etwas will findet Wege, die anderen haben nur weit hergeholte und überalterte Ausreden!
Edmund Fahnenbruck
PS.: Kann gerne als Leserbrief verwendet werden.
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